Kurzgeschichte

Hallo, ich bin Anna

Anna ist aufgewacht. Die Sonne scheint ihr ins Gesicht. Wie spät kann es sein? Anna kann doch keine Uhr lesen, sie geht noch in den Kindergarten. Die Sonne kitzelt ihre Nase. Anna streckt sich, wirft übermutig die Decke weg und steht auf. Barfuß geht sie die Treppe herunter. Komisch, ist alles noch so ruhig. Aber sie hat doch heute Geburtstag. Und sie bekommt Geschenke. Was wird es heute sein? Ihr Bruder Peter bastelt immer etwas für sie. Letztes Jahr war es eine Steinschleuder. Doch die Mama hat sie ihr gleich abgenommen, aus „Sicherheitsgründen“, was auch immer das sein mag. Erwachsene, halt. Die wissen immer alles besser. Dabei war die Schleuder doch recht praktisch. Anna muss grinsen. Aus der Küche hört sie Stimmen. Sie macht die Türe auf. Die Mutter setzt Kerzen auf den Kuchen, Papa deckt mit Peter den Tisch. Als sie Anna bemerken, rufen sie alle: „Happy Birthday, Kleines“. Anna wird von allen umarmt. Die Mutter stellt den Kuchen auf den Tisch. 6 Kerzen werden ausgeblasen. „Und jetzt kommen die Geschenke“, freut sich Anna. Mama und Papa überreichen ihr ein großes Päckchen. „Da du bald in die Schule gehst“, sagt Mama, „haben wir dir etwas Nützliches gekauft“. Anna reißt das Papier auf und schaut auf einen Schulrucksack mit bunten Schmetterlingen. „Oh, ist der schön“, freut sie sich. Sie kann es kaum abwarten, endlich in die Schule zu kommen. Peter geht schon in die vierte Klasse und erzählt manchmal lustige Geschichten. Aber sie muss noch eine Weile warten. „Jetzt bin ICH an der Reihe“, ruft Peter. „Das ist von mir, Prinzessin“. Peter reicht Anna ein kleines Päckchen. „Keine Angst, Mama, keine Steinschleuder dieses Mal“, sagt er grinsend. Anna macht vorsichtig das Päckchen auf. Sie holt tief Luft. In einer mit Samt ausgelegten Schachtel liegt eine Halskette. Nicht aus Diamanten oder Gold, sondern aus kleinen, bunten Perlen. „Das ist Handarbeit, kleine Schwester, ich habe sie selbst gebastelt“, sagt Peter stolz. „Die ist ja wunderschön“, ruft Anna begeistert und legt sie sofort an. Sie strahlt. Sie ist glücklich. “Vielleicht bekommen andere Kinder größere Geschenke, doch was wirklich zählt ist, dass sie für mich von Herzen kommen“, denkt Anna, umarmt die Mutter, den Vater und auch ihren Bruder und rief: „Vielen Dank für alles, ich hab euch auch lieb“.

Fortsetzung folgt . . . .